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20.06.2009, Konstituierende Sitzung der Ärztekammer Nordrhein |
Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe gewählte Kolleginnen und Kollegen dieser Kammerversammlung,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
in dem im Jahre 2000 erschienenen Kompendium mit dem Titel „Köpfe – Menschen die dem Gesundheitswesen verpflichtet sind“ ließ sich Professor Horst Bourmer, langjähriger Präsident unserer Ärztekammer folgendermaßen zitieren: „Die niedergelassenen akademischen Heilberufe sind die freiberuflichen Knechte der Sozialversicherung.“
Wäre er noch unter uns, würde Horst Bourmer diese seine pointierte Äußerung ohne jeden Abstrich auch auf die Kollegenschaft im stationären Bereich ausweiten – und er würde mit dem ganzen Charisma seiner Persönlichkeit hinter dieser Äußerung stehen!
Wir alle – ob im stationären oder niedergelassenen Bereich - sind mittlerweile, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, in der Tat zu diesen Knechten der Sozialversicherung und den Bütteln einer krankmachenden Gesundheitspolitik geworden.
Das ist ein Tatbestand, der vielfach vollmundig beklagt wird.
Das aber ist auch ein Tatbestand, den man nicht nur mehr oder weniger zeternd beklagen muss.
Das ist ein Tatbestand, der dringend der nachhaltigen Korrektur bedarf – dieser Zustand muss – ganz im Sinne von Horst Bourmer – geändert werden.
Die ‚Freie Ärzteschaft’ ist mit dem Anspruch, „frischen Wind in die Kammer zu bringen angetreten – und hat dafür breite, im Wahlergebnis dokumentierte Zustimmung erhalten!
Dabei hat die Maxime „Agieren vor Reagieren“ für meine Fraktionskolleginnen und – kollegen oberste Priorität.
Bei allem Respekt vor den Kautelen einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes muss es möglich und umsetzbar sein, dass unsere Ärztekammer Nordrhein nicht nur als Weichspüler politisch und staatlich vorgegebener Einschränkungen, Restriktionen und Strangulationen unserer ärztlichen Profession und Freiberuflichkeit fungiert.
Nein, meine sehr verehrten Damen und Herren, nein und nochmals nein: unsere Kolleginnen und Kollegen haben uns gewählt im Vertrauen darauf, dass wir ihre Interessen entschlossen und nachhaltig wahrnehmen.
Und ich selbst würde mich gerne – gestützt auf Ihr Votum – dafür einsetzen, dass die vielen tausend Kolleginnen und Kollegen in Nordrhein sich in dem was wir hier in den kommenden fünf Jahren tun, wie wir agieren und wie wir ihre Belange, aber auch ihre Ängste wahrnehmen, wieder erkennen. Sie dürfen und sollen sich nicht von Fall zu Fall „fremdschämen“ müssen, weil die von ihnen gewählten Vertreter nicht wirklich Position beziehen – Position gegenüber selbstherrlichen Politikern und selbstgefälligen, nach eigener Einschätzung sakrosankten Kassenfürsten.
Deshalb entspreche ich der Aufforderung, mich für das Amt des Präsidenten der Ärztekammer Nordrhein zur Verfügung zu stellen. Ich trete zu dieser Wahl an und kandidiere damit gegen den langjährigen Amtsinhaber. Ich tue dies mit allem gerne geschuldeten Respekt vor der Persönlichkeit von Professor Hoppe. Ich tue dies aber auch mit dem gleichen Respekt vor ur-demokratischen Gepflogenheiten, deren Wahrnehmung gerade uns Ärztinnen und Ärzten immer ein Herzensanliegen sein sollte. Und deshalb wird bei diesem Wahlgang – wie immer er ausgeht – keiner der Unterlegene sein.
Ich habe, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, zu Beginn an den legendären Horst Bourmer erinnert. Lassen Sie mich schließen mit dem Zitat eines anderen Kammerpräsidenten, der übrigens nicht von ungefähr mit Professor Bourmer eng befreundet war.
Professor Heyo Eckel, langjähriger Präsident der Ärztekammer Niedersachsen war während seiner Amtszeit immer wieder beschäftigt mit Klaus-Dieter Kossow, seinerzeit KV-Vorsitzender in Niedersachsen. Und immer mal wieder musste Eckel seinen vorwärts stürmenden „Amtsbruder“, wie er ihn nannte, ein wenig bremsen. Sein geradezu historischer Satz war dann oft: „Die Kammer ist die Mutter aller Dinge!“
Davon sollten wir uns leiten lassen, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir als die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Ärzteschaft zwischen Aachen und Essen müssen dafür sorgen, dass wir als Ärztinnen und Ärzte wieder authentisch werden und nicht zum Popanz von Fremdeinflüsterern degenerieren.
Wer Lösungen will, verehrte Kolleginnen und Kollegen, der findet Wege. Wer keine Lösungen will, findet Gründe. Lassen Sie uns insofern gemeinsam Gründe erarbeiten, plausible Gründe für den Weg zu Lösungen unserer vielfältigen Probleme. Und das heißt nichts anderes, als dass wir als die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der nordrheinischen Ärzteschaft Wege freischaufeln müssen, die es uns allen ermöglichen, wieder in Würde und unverkrampft Ärztin und Arzt sein können.
Dafür trete ich an, und dafür bitte ich um Ihr Vertrauen!
Martin Grauduszus
Präsident Freie Ärzteschaft
Düsseldorf, 20.06.2009
Es gilt das gesprochene Wort.
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| So, 21.06.2009 18:53 / SM |
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