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Ansprache Martin Grauduszus am 15.09.2009 auf dem
Marienplatz in München
Anrede,
im ‚Lied der Bayern’ gibt es eine
Strophe, die in der offiziellen Fassung leider nicht gesungen wird, gleichwohl
ist dieser Vers wichtig. Denn hier werden diejenigen der besonderen Fürsorge
anempfohlen, die – ich zitiere – „der Menschen heilig Recht treu beschützen
und bewahren.“
Zu den „heiligen Rechten“ der
Menschen zähle ich an vorderer Stelle das Recht auf freie ungehinderte Ausübung
des Berufes ebenso wie das Recht auf freie Meinungsäußerung. Diese beiden
elementaren Rechte sind in unserer Verfassung verankert, gleichwohl ist eine
ideologisch verblendete und irre geleitete Politik in Berlin emsig bestrebt,
gerade uns Ärztinnen und Ärzten diese Rechte eben n i c h t „treu
zu beschützen und zu bewahren“, sondern sie für uns mehr oder weniger außer
Kraft zu setzen.
Das hohe Gut unserer
Freiberuflichkeit, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, verkommt zum
Spielball einer indoktrinierten Bundesgesundheitsministerin, die für sich die Freiheit reklamiert, Steuergelder für
Urlaubsfahrten im Dienstwagen verpulvern zu können, die uns aber die Freiheit zur Ausübung unseres Berufes nimmt.
Ungezügelte Bürokratisierung und ein jegliches Maß sprengender
Regulierungswahn – das sind die Rezepturen aus dem Haus der Ulla Schmidt, uns
unsere Freiheit zur Berufsausübung und unsere Therapiefreiheit zu nehmen.
Unterstützt wird sie darin von willfährigen Krankenkassen, die - im Gegenzug nachhaltig von der
Ministerin assistiert – in ihrer schier unersättlichen Datengier die Axt an die
Wurzel unseres Selbstverständnisses legen.
Denn die ärztliche Schweigepflicht,
eines der höchsten Kulturgüter unserer Gesellschaftsordnung und unerlässliches
Fundament der Arzt-Patienten-Beziehung, soll spätestens mit Einführung der
elektronischen Gesundheitskarte endgültig ausgehebelt werden. Um das ‚Lied der
Bayern’ erneut zu zitieren: „Der Menschen heilig Recht“ auf Unversehrtheit
seiner intimsten Daten, wird von Frau Schmidt und Konsorten keineswegs geschützt, geschweige denn bewahrt, meine lieben Kolleginnen und Kollegen.
Deshalb sind
wir gefordert, dieses heilige Recht mit allen Mitteln zu verteidigen!
Dringend „geschützt und bewahrt“
werden muss auch die flächendeckende wohnortnahe Versorgung durch
niedergelassene Fach- und Hausärzte. Denn statt diese vorbildliche und weltweit
bewunderte Art der Patientenversorgung zu stützen, will Frau Schmidt stramm
nach dem Vorbild der DDR-Polikliniken unseligen Angedenkens Medizinische
Versorgungszentren etablieren – und das mit ausgesprochen
monopolkapitalistischen Ansätzen: denn der fehlbesetzten Gesundheitsministerin ist
es völlig schnuppe, wer denn diese MVZ organisiert!
Eine ausgewiesene Sozialistin lässt
es sehenden Auges zu, dass arztferne profitorientierte Kapitalgesellschaften im bewährten Bereich der
ambulanten fach- und hausärztlichen Versorgung wildern!
Sie fordert und fördert – mit
Rückendeckung der Krankenkassen – die Industrialisierung der ambulanten
Versorgung!
Diese Dame aus dem sonderschul-pädagogischen
Bereich maßt sich an, zu Gunsten dieser Gesundheitsversorgungs-Heuschrecken die
flächendeckende und wohnortnahe Versorgung durch Fach- und Hausärzte, in der
seit Jahrzehnten über 94 Prozent aller Krankheitsfälle abschließend behandelt
werden, auszumerzen!
Dass sie zur Erreichung dieses
Zieles durch so genannte Honorarreformen die wirtschaftliche Garotte längst
angesetzt hat, muss ich Ihnen, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, nicht
erzählen! Wirtschaftliche Strangulationsmechanismen sind immer schon probate
Mittel zur Durchsetzung
politischer Ziele gewesen!
Um unter anderem dies aufzuzeigen
und uns dagegen aufzulehnen, sind Sie heute hier zusammengekommen – mit voller
Berechtigung! Der vertraute ‚Doktor um die Ecke’ muss erhalten bleiben –
auch dies ist als „ein der Menschen heilig Recht treu zu beschützen und zu
bewahren.“
Ihre Veranstaltung hier und heute
ist ein weiteres Fanal an die Politik: wir Ärztinnen und Ärzte lassen uns nicht
länger alles gefallen! Jahrelang hat man uns dazu missbraucht, unseren
Patientinnen und Patienten in unseren Sprechzimmern immer wieder neue
Restriktionen, Einschränkungen und Beschnüffelungspraktiken erklären zu müssen!
Wir sind nicht die willfährigen
Büttel und Vollstrecker einer völlig aus dem Ruder laufenden Politik!
Und das, meine lieben Kolleginnen
und Kollegen, hat nicht nur Ulla Schmidt bemerkt, nicht nur sie ist aufgrund
der vielfachen Protestaktionen der Ärzteschaft nervös geworden. Und wie wehrt
sich die Politik? Indem sie jüngst aufgrund weniger bekannt gewordener Einzelfälle unter dem Stichwort
„Fangprämie“ ihre gut geölte Empörungsmaschinerie anwirft und – nicht zum
ersten Male – meint, unseren gesamten Berufsstand diffamieren zu müssen.
Geht es, meine lieben
Kolleginnen und Kollegen, geht es noch armseliger und noch erbärmlicher?
Deshalb: machen wir weiter mit
unserem Protest! Wir nutzen die verbleibenden zwölf Tage bis zur Bundestagswahl
zur Information und Aufklärung und machen Wahlkampf für das Gesundheitswesen,
dessen Koordinaten letztlich immer noch wir bestimmen!
Wir wollen wieder in Würde
Ärztin und Arzt sein – zum Wohle unserer Patienten.
Doktor und Patient gehen am 27.
September wählen!
Und sie werden nur denjenigen ihre
Stimme geben, die „unser heilig Recht treu beschützen und bewahren.“
Ich danke Ihnen
für Ihre Aufmerksamkeit.
Es gilt
das gesprochene Wort! |