12.12.2009, Pressemitteilung vom Bündnis "Stoppt die e-Card"
Zum Vergrößern Bilder anklicken/Photos Jan Scholz
Elektronische
Gesundheitskarte: Experten warnen vor Hackerangriffen und Milliardenkosten
„Die elektronische Gesundheitskarte ist ein teures,
überflüssiges bürokratisches Monster“, warnt der Arzneimittelexperte Professor
Dr. rer. nat. Harald Schweim. Die Gesundheitskarte sei kein Fortschritt,
sondern eine gigantische Geldverschwendung, kritisierte der frühere Leiter des
Instituts für Arzneimittelsicherheit im Bundesministerium für Gesundheit bei
einer Veranstaltung der bundesweiten Bürgerinitiative „ Stoppt die e-Card“ im
Ärztehaus Hamburg. Auch weitere unabhängige Wissenschaftler aus den Bereichen
Datensicherheit und Gesundheitsversorgung sprachen sich gegen die Einführung
der elektronischen Gesundheitskarte in der geplanten Form aus.
„Der Berg kreißte und gebar eine Maus“, sagt Schweim. Die
neue Versichertenkarte könne nicht mehr als die alte und „alle Versprechungen
über eine Verbesserung der Datenlage im Notfall mit denen der Patient gelockt
werden soll, sind nur Makulatur und das Ganze für 4-10 Milliarden Euro, je nach
Schätzung, die dem Gesundheitssystem für den medizinisch-therapeutischen
Fortschritt entzogen werden“.
In seiner jetzigen Form biete das System der elektronische
Gesundheitskarte Hackern jede Menge Angriffpunkte, warnte Professor Hartmut
Pohl auf der Veranstaltung. Der Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises
Datensicherheit der Gesellschaft für Informatik sagte, seine Gesellschaft sei
zwar eindeutig für die Chancen, die verstärkte Nutzung von
Informationstechnologien im Gesundheitswesen biete. Sie fordere abernachdrücklich „die Sachziele der
Informationssicherheit im digitalisierten Gesundheitswesen zu berücksichtigen:
Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit und Verbindlichkeit mit Authentizität
und Beherrschbarkeit“.
Die Sicherheit sei aber bislang nicht garantiert: “Da die
Patientenakten zumindest derzeit wegen ihrer Menge nicht auf der
Gesundheitskarte der Patienten gespeichert werden können, müssen sie im
Internet gespeichert werden. Eine sichere Speicherung im Internet ist aber trotz
Verschlüsselung und Pseudonymisierung nicht möglich: Alle Computer, Server,
Bridges, Switches etc. können erfolgreich angegriffen werden“, warnte der
Datenschutzspezialist auf der Hamburger Podiumsdiskussion.
„Der Rollout der Karte in der Testregion Nordrhein muss
sofort gestoppt werden“, forderte Dr. Silke Lüder, Sprecherin der bundesweiten
Bürgerinitiative aus 47 Verbänden aus allen Teilen der Gesellschaft. Die
Stellungnahmen der unabhängigen Experten seien eine eindeutige Aufforderung an
die neue Bundesregierung, die unsichere Gesundheitskarte sofort zu stoppen.
„Alleine in 2009 wurdenfür dieses
verfehlte Projekt 760 Millionen Euro an Versichertengeldern zur Verfügung
gestellt. Das e-GK Projekt in der geplanten Form ist gescheitert und die neue
Bundesregierung würde gut daran tun, hier im Interesse der Versicherten mutige
Konsequenzen zu ziehen, fordert Lüder.
Hamburg 12.12.2009
Ansprechpartnerin für die Presse Dr. Silke Lüder, Tel.
02104-1385975, mobil 0175 1542744.
Die Aktion „ Stoppt die e- Card“ wird getragen von der
„Freien Ärzteschaft“, IPPNW, „Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung“, Chaos
Computer Club, NAV Virchowbund, Deutsche AIDS- Hilfe, Bundesarbeitsgemeinschaft
PatientInnenstellen(BAGP) und 40
weiteren Organisationen.